Montag, 28. August 2017

Jägerin der besonderen Worte


Als Autorin verstehe ich mich immer mehr auch als eine Person, die besonders schöne oder seltene Wörter sucht. Warum? Na, damit sie nicht verloren gehen.

Ein ehemaliger Kollege erzählte mir einmal, dass es in seiner Familie Sitte ist, dem erstgeborenen Jungen einen bestimmten Namen zu geben. So kommt es vor, dass dieser eine Name sehr häufig auf Familienfeiern gerufen wird. Ich fand das im ersten Moment verwirrend, doch dann erklärte er mir, dass dieser Name in seiner Familie eine wichtige Bedeutung hat und darum von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Namen sind ein Aspekt der Sprache, werden sie nicht mehr verwendet, geraten sie Vergessenheit. So passiert es auch Wörtern, die aus unserem Sprachgebrauch verschwinden. Berufe, die es nicht mehr gibt, werden auch nicht mehr genannt und oft weichen alte Begriffe neuen Bezeichnungen.

Seit einiger Zeit sehe ich mich daher als Autorin auch stärker zur Jägerin besonderer Worte berufen, die ich in meinen Büchern niederschreiben und so vor dem Vergessenwerden bewahren will. Ich versuche in jeder Geschichte zwei bis drei dieser Begriffe unterzubringen. Es ist nicht leicht und man darf es nicht erzwingen, aber es macht sehr viel Spaß!

Falls Ihr Euch nun fragt, wo ich meine Worte finde, nun, da gibt es ganz unterschiedliche Quellen. Zum einen natürlich Bücher! Sucht man aber nach älteren Wörtern muss man auch Bücher lesen, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. In Michael Endes Die unendliche Geschichte findet sich zum Beispiel das Wort Kleinod, als Bezeichnung für das Auryn, das Zeichen der kindlichen Kaiserin. Kleinod ist ein altes deutsches Wort für ein Schmuckstück. Sucht man in dem Zusammenhang nach Synonymen findet man Kostbarkeit oder den französisch-anmutenden Begriff Bijouterie.

Synonyme sind ein weiteres Feld, auf dem man eine Fülle an neuen-alten Wörtern finden kann. Früher habe ich dazu das Woxikon verwendet, heute genieße ich die ausladende Auswahl von Papyrus Autor (dem Schreibprogramm, mit dem ich arbeite). Tatsächlich war die Synonyme-Datenbank einer der ausschlaggebenden Gründe, das Programm zu kaufen (neben Figruen-Datenbank und der umfangreicher Stil-Analyse).

Eine weitere Quelle sind Games, die ich ab und an spiele. So habe ich den Begriff Alkoven (Bettniesche) zum ersten Mal beim Tomb Raider IV gehört und später bei Star Trek Voyager wiedergefunden. Das Wort Ossarium (Beinhaus) schnappte ich im Game Dracula 3 – Der Pfad des Drachen auf.

Meine größte Inspirationsquelle sind jedoch Filme und Serien. In der Anime-Reihe One Piece stieß ich auf Archipel (Inselgruppe), ein Wort, dass ich vor kurzem in der zweiten Staffel von Sense8 erneut aufgriff und notierte. Petrichor stammt aus der siebten Staffel von Doctor Who (Die Folge heißt Die Frau des Doktors und wurde von Neil Gaiman geschrieben, der das Wort auch in American Gods untergebracht hat. Es beschreibt den Geruch nasser Erde nach dem Regen). Lichtspielhaus (Kino) und Kandelaber (Kerzenhalter) kamen später ebenso hinzu wie Eildepesche (Schnelles Telegramm) oder Grimoire (Zauberbuch).


Später entdeckte ich auch, dass es in jeder Sprache Wörter gibt, die keine andere Sprache hat und die als unübersetzbar gelten. Für Deutsch wären das beispielsweise Waldeinsamkeit und Weltschmerz (aber auch Warmduscher und Treppenwitz ^^).

Ihr seht, es gibt gleich eine ganze Menge Quellen aus denen jeder schöne Wörter schöpfen kann. Ich habe zumindest immer ein Notizbuch mit auf dem Sofa liegen, damit mir auch ja keines davon durch die Lappen geht.

Eure Fay



P.S.: Niemand hält Euch davon ab, selbst Wörter zu erfinden 😉

Freitag, 4. August 2017

Schreibe ohne Angst, editiere ohne Gnade




Seit einer Weile ist das mein Motto und ich merke, dass es mir sehr leicht fällt damit zu schreiben. Mir hat es einige Ängste genommen und ich möchte Euch erzählen, wie es dazu kam. Daher richtet sich dieser Beitrag natürlich an meine Leser, jedoch auch meine Autorenkollegen, sofern sie Tipps brauchen ^^

Was bedeutet dieser Spruch?

Für alle, die keinen Einblick in die Autorenseele haben, hier ein Einführung.
Schreiben macht Spaß, ist aber auch harte Arbeit. Manchmal sitzt man vor einem leeren Blatt (real oder virtuell) und es will einem nichts einfallen. Oder die Ideen im Kopf möchten einfach nicht über die Finger-Schnittstelle durch Tastatur oder Stift auf das Papier gelangen. Äußere Einflüsse und innere Blockaden tun ihr Übriges dazu. Kein Wunder also, dass Autoren gerne einen Freudentanz aufführen, wenn ihnen ein umfangreicher Absatz, ein prägnantes Wortspiel oder eine außergewöhnliche Beschreibung gelungen ist.
Vier bis fünf Stunden konzertiert schreiben ist ebenso anstrengend wie jede andere Arbeit auch! Ob auf der Baustelle, im Vorzimmer vom Firmenboss oder in der Bäckerei nebenan. Schreiben laugt aus, besonders, wenn man es regelmäßig und/oder mehrere Stunden macht. Die Vorstellung, vom Autor, der genüsslich dem Tag am Rechner verbringt und mit einem Cocktail in der Hand seine Texte runterschreibt, während die Klimaanlage ihn vor der Sommerhitze bewahrt, ist zwar schön, aber meist nicht zutreffend. Ich selbst sitze im Moment an meinem Schreibtisch, schwitze bei milden 29,4 Grad und habe die Balkontür offen, in der Hoffnung, dass ein kleines Lüftchen sich zu mir hineinverirrt. Neben mir eine Flasche mit Wasser, dass vor zwei Stunden noch kalt war. Und überhaupt habe ich das Gefühl, dass ich bei der Hitze nichts schaffe! Beziehungsweise mein Hirn, genauso wie mein Notebook, nur noch mit halber Kapazität arbeitet. Aber ich drifte ab … wo war ich noch mal?

Ach ja! Wir Autoren sitzen also da, in der Hitze vor unseren Rechnern und versuchen die Ideen aus unseren Köpfen zu Papier zu bringen. Wenn wir das dann endlich geschafft haben sind wir glücklich. SEHR GLÜCKLICH! An manchen Sätzen arbeiten wir lange, feilen hier und da herum, versuchen das Beste aus dem Wortschatz herauszuholen. Andere Abschnitte fallen uns leichter. Und hier setzt das Sprichwort an.

Schreiben ohne Angst

Wovor sollte man sich fürchten beim Schreiben? Also, mal abgesehen davon, dass der Rechner bei der Hitze abkackt und wir nicht gespeichert haben! Die Angst davor, etwas Falsches zu schreiben, ist bei vielen Autoren groß. Ein Satz muss perfekt sein! JEDES Wort muss richtig gesetzt und perfekt gewählt werden. Es gibt Autoren, die das können, die in ihrer Schreibphase hervorragende Sätze zaubern. Aber dann gibt es auch … mich! Ich schreibe einfach, manchmal ohne Punkt und Komma! Ohne besonders auf Rechtschreibung, Interpunktion und Sonstiges zu achten. Ich schreibe, wie es meine Gedanken in diesem Moment hergeben. Aber vor allem schreibe ich ohne Angst. Diese Sätze, die ich in der Schreibphase erstelle muss ich ja niemandem zeigen ^^

Editiere ohne Gnade

Für diejenigen, die in der Schreibphase bereits sehr viel Zeit auf gute, stimmige Sätze, Rechtschreibung und Interpunktion gelegt haben, ist die Editierphase eher ein Ausputzen von kleinen Fehlern. Für mich ist sie eine umfangreiche Bearbeitung, meine Arbeit fängt hier erst richtig an. Ich habe jedoch schnell gelernt, Überflüssiges zu löschen. Was scheiße ist – und auch nach mehrmaliger Bearbeitung nicht besser wird – muss raus! Sätze werden umgestellt, Synonyme gesucht, Absätze gelöscht. Programme wie Papyrus Autor helfen natürlich zusätzlich dabei Wortdoppelungen und Kommatafehler zu finden.
Ich persönlich empfinde, dass man als Autor seiner Geschichte verpflichtet ist, die Idee sollte auf bestmögliche Weise umgesetzt sein, überflüssige Füllungen müssen weg. Die Geschichte soll sich in ihrem besten Gewand zeigen. Daher habe ich mir eine Messlatte gesetzt und editiere gnadenlos alles, was darunterfällt.

Fazit

Irgendwann muss jeder Autor für sich entscheiden wie er arbeitet, wie ihm die Arbeit an einem Projekt (sei es ein Roman, eine Novelle, eine Kurzgeschichte oder anderes) am einfachsten fällt. Ich habe bemerkt, dass mir das schreiben schwer fällt, aber das editieren leicht. Also schreibe ich ohne Angst wild drauf los, hacke alle meine Ideen aufs Papier und editiere im Nachgang gnadenlos durch. Und das ist okay! Jeder muss seinen Workflow finden, meine Möglichkeit ist nur eine von vielen. Wichtig ist, dass sich jeder Autor klar macht, es ist okay, Fehler zu machen und auch mal Müll zu schreiben, wenn man ihn später zu Gold editieren kann.

Eure Fay

Dienstag, 14. Februar 2017

Das gehört nicht in die Phantastik!


Gewalt gegen Frauen, Asylpolitik, Flüchtlinge, Diskriminierung von Minderheiten und Andersartigen, Mobbing, das und vieles mehr sind unbeliebte Themen, die in den Zeitungen hochgespielt werden, die wir aber außer in den News nirgendwo lesen möchten. Schon gar nicht in fiktiven Geschichten, denn schließlich wollen wir in andere Welten abtauchen um die Wirklichkeit zu vergessen … oder doch nicht?

Zum Anfang!
Das Lektoren-Team David Rohlmann und Maria Engels bringen seit letztem Jahr die Anthologie-Reihe „Saint Falls“ heraus (Teil 1 – Happy End, Teil 2 – Glass Coffin). Mit „Märchen aus der Welt des Verbrechens“ sind die eBooks untertitelt und schnell wird klar: Hier werden klassische Märchen neu und auf teilweise dürstete Weise interpretiert.
Für „Glass Coffin“ hat Autorin Jenny Wood [Link zur Facebook-Page] die Geschichte „Das Mädchen für tausendundeine Nacht“ beigesteuert. Eine Interpretation der Märchen aus 1001 Nacht, in der Scheherazade als Prostituierte auftritt. Im Laufe der Geschichte wird ihr mehr als nur einmal Gewalt angetan, klar, dass das nicht jeder leicht verdauen kann. Der Bloggerin Susanne von www.derpapierplanet.de stieß dieses Thema wohl übel auf und sie zog dem Buch gleich mehrere Punkte ab (was ja ihr gutes Recht ist, es soll hier nicht um die Beurteilungen von Bloggern gehen!). Gleichzeitig stellte sie aber auch in den Raum, dass „grafische Darstellungen von sexualisierter Gewalt nicht in fiktive Formate gehören“. Lassen wir mal dahingestellt, dass es in den eBooks keine Illustrationen gibt und damit fraglich bleibt, was mit „grafisch“* gemeint ist (vielleicht meinte sie ja „bildlich“?) aber diese konservative Aussage einer jungen Frau Anfang 20 hat mich dann doch sehr irritiert.

Als Frau ist Gewalt gegen Frauen für mich natürlich ein besonders sensibles Thema, aber es totschweigen, so tun als würde das nicht passieren (und wenn dann nur irgendwo weit weg) bringt gar nichts und ist erst recht keine Lösung. Die Phantastik ist ein Genre, mit dem man episch viel machen kann! Man kann die Leser in andere Welten entführen, sie den Alltag vergessen lassen und so weiter! Aber man hat auch die grandiose Möglichkeit auf Missstände hinzuweisen.
 

Besonders die Science Fiction bedient sich dieser Thematiken oft und hält der Welt einen Spiegel vor, um zu zeigen wie hässlich sie ist. Sehr gut zu sehen in den verschiedenen Star Trek Serien, in denen immer wieder Themen wie Intoleranz, blinden Gehorsam, Folter, Rassismus und der schmale Grat zwischen Freiheitskampf und Terrorismus thematisiert wird. Gleichzeitig werden Gott-Figuren und religiöse Führer hinterfragt oder als Scharlatane entpuppt.

Um die Aussage vom Anfang aufzugreifen Gewalt gegen Frauen, Asylpolitik, Flüchtlinge, Diskriminierung von Minderheiten und Andersartigen, Mobbig und vieles mehr, sind Themen die uns alle angehen, die uns vielleicht alle schon mal in irgendeiner Weiße betroffen haben, warum sollten sie also nichts in der Phantastik zu suchen haben? – Ich denke, das Gegenteil ist der Fall, genau da gehören sie heute mehr denn je hin! Die Phantastik ist nicht nur Hausfrauenbefeuchter und Teenie-Traum-Erfüller! Sie ist unendlich vielseitig und kann mehr als ihr im Allgemeinen zugetraut wird.

Versteht mich nicht falsch, ich möchte weder, dass diese Themen unnötig breitgetreten werden, noch dass es ab jetzt keine schöne, leichte Phantastik mehr gibt. Aber ich bin für Vielseitigkeit, dafür, auch unangehme oder polarisierende Themen anzusprechen und dass Autoren die Freiheit haben, diese Thematiken zu behandeln!


Jeder Autor bringt beim Schreiben seine eigene Meinung mit ein, berichtet vielleicht sogar von Erfahrungen oder will auf Missstände hindeuten. Solange diese Themen mit dem nötigen Respekt und angemessener Recherche behandelt werden, sehe ich keinen Grund, weshalb sie nicht öfters in der Phantastik vorkommen sollten.



Das Herausgeber-Duo Rohlmann und Engels hat sich mit ihrer Saint Falls-Reihe in jedem Fall an ein kompliziertes Thema vorgenommen: Verbrechen in all seinen Facetten zeigen! Und dazu gehören alle Verbrechen. Man kann ja schlecht sagen: Mord und Diebstahl ist ein Verbrechen, Gewalt gegen Frauen aber nicht!
 
Wie ist Eure Meinung dazu?
Muss Phantastik immer nur schön sein, oder darf und sollte sie auch die negativen Seiten der Welt widerspiegeln?

Eure Fay


UPDATE: * mir wurde zugespielt, dass das Wort "graphic" im englischen für drastisch, lebhaft, bildhaft steht. 

Montag, 6. Februar 2017

Teil 3 // Schreibziel 41.190


Und nun ging es doch schneller als gedacht - mit 41.190 Worten habe ich die 2. Phase beendet! 
YAY Party!!!

Nachdem ich tatsächlich den den vergangenen September und Oktober, sowie einen Großteil des Dezembers kaum zum Schreiben gekommen bin, habe ich nun wieder einiges aufgeholt. Mit Schwung und Kaffee konnte ich vor wenigen Stunden die Rohfassung beendet. 

Teil 3 nimmt immer mehr Gestalt an. Die Figuren wollten einige Umwege gehen, haben viele neue Wege eingeschlagen und sind am Ende doch an ihrem Ziel angekommen. Nun, da das Skelett steht, wird es Zeit alles zu überarbeiten, auszuformulieren und mit Leben zu füllen. 

Ich liebe die Überarbeitungsphase und bin sehr gespannt, was sich noch alles ergeben wird. In jedem Fall liege ich wirklich gut im Zeitplan und hoffe, dass ich Euch bald schon ein bisschen mehr erzählen kann.

Bis dahin
Fay

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Meine erste Lesung

Es ist passiert! 
Am vergangenen Samstag, zum BuCon 2016 hatte ich meine erste Lesung. Zusammen mit den Kolleginnen Katharina Fiona Bode und Mia Faber veranstalteten wir die "Worte aus Dampf" Lesung. Und ich durfte starten, weil ich am meisten Schiss hatte. Obwohl ich eigentlich schon einmal vor Publikum gelesen hatte, war das damals in einem kleineren Rahmen, diesmal war ich ziemlich aufgeregt. Aber ich denke, es ist - trotz einiger Verhaspler - ganz gut geworden. 
Einen Clip gibt es davon auch. Schaut doch mal rein ^^

Eure Fay


Dienstag, 30. August 2016

Wie ich schreibe


Heute möchte ich Euch ein bisschen an meiner Schreib-Arbeit teilhaben lassen und erzählen, wie ich schreibe bzw. wie ich mir meine eigenen Schreibphasen erarbeitet habe.

Zunächst zu meiner Vorgeschichte:
Als ich "Wien - Stadt der Vampire" geschrieben habe tat ich dies vollkommen ohne irgendwelches Vorwissen. Ich hatte keine Ahnung von einem genauen Grundgerüst, verfolgte einen vagen roten Faden und habe einfach nur drauf losgeschrieben. Heute ist mir klar, dass ich nie wieder so frei schreiben kann, wie ich es damals getan habe. Aber damals dachte ich, dass ich gerade den nächsten Bestseller fabriziere ^^

Ich habe schon immer geschrieben, in meinem Kopf schwirrte so viel rum, dass einfach raus musste. Fanfictions und gemeinsame Schreibprojekte mit Schulfreundinnen waren ein super Ventil. Aufsätze in der Schule schrieb ich mit einer Schnelligkeit runter, dass ich immer die erste in der Klasse war, die abgeben konnte (Deutsch war aber auch das einzige Fach in dem ich wirklich gut war ^^). Was in meinem Kopf war, musste raus und das ist bis heute so. Ich schreibe noch immer Fanfictions und besitze mittlerweile eine stattliche Sammlung von Notizbüchern voll mit grob skizzierten Plots für Fantasy- und SciFi-Geschichten. Aber die New-Steampunk-Age-Reihe steht an erster Stelle.

Die teils harten Kritiken an "Wien" haben mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Meine Mama hatte also doch keine Bestseller-Autorin herangezogen - verdammt! Es gab Momente in denen ich darüber nachdachte das Schreiben aufzugeben. Aber – und ich denke, dass wird jeder richtige Autor verstehen – man kann nicht einfach aufhören zu schreiben. Das Schreiben ist eine Sucht, ein Drang dem man nachgehen muss. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht einfach aufhören. Wahrscheinlich würde mein Kopf explodieren. Weiterhin wurde mir in den Jahren zwischen „Wien“ und „Amulett“ auch klar, dass mir die Geschichte um Lilith wichtig ist, ich will sie erzählen! Lilith begleitet mich nun schon seit über 10 Jahren, ich möchte ihre Geschichte erzählen.

Also habe ich mir all die Kritiken zu Herzen genommen und das Skript zu „Das Amulett in der Wüste“ – dass damals bereits fertiggestellt war – noch einmal komplett überarbeitet und diese Überarbeitung wiederum hat mich gut drei Jahre beschäftigt. Natürlich sind in der Zeit auch viele andere Dinge passiert und ich habe nicht nur geschrieben. Aber in die Überarbeitung ist viel Zeit und Mühe geflossen.

Und dann kam meine Lektorin!
Schon nach den ersten Kritiken an „Wien“ habe ich bemerkt, dass Lektor nicht gleich Lektor ist. Der falsche Lektor macht ein Skript nicht unbedingt schlechter, aber er macht es auch nicht besser. Ein richtiger Lektor ist hart, aber er holt im Idealfall das Beste aus der Geschichte raus und ich denke, dass hat Marion Lembke bei „Das Amulett in der Wüste“ getan. Für mich ist die steampunkige Zukunftsvision, die ich erschaffen habe, klar. Ich weiß was dort und dort passiert ist, wer wie wo was gemacht hat. Das ist alles in meinem Kopf. Aber das weiß der Leser nicht. Während ich als Autor mich also bemühe nicht zu viel Info-Dump in das Skript einfließen zu lassen, war es Marions Bestreben die richtigen Infos an den richtigen Stellen durchsickern zu lassen. Wenn ich mir die ersten Kritiken und Rezensionen zu „Das Amulett in der Wüste“ durchlese, dann hat das auch ziemlich gut geklappt.

Marion war es auch, die mir „Die Heldenreise“ ans Herz gelegt hat. Das ist ein Schreibmuster, dass, in verschiedenen Formen, auch in Filmen und Theaterstücken Verwendung findet und es hilft mir ungemein! Endlich hab ich Ankerpunkte an denen ich meine Story festmachen kann.
Und bevor ich jetzt dazu komme, wie ich schreibe noch eine kurze Info. Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass es mir einfacher fällt mein eigenes Geschreibsel zu korrigieren und zu erweitern. Das ist für mich einfacher als das Schreiben selbst. Es gibt Autoren, die schreiben eine Seite und sie ist perfekt, keine Wortwiederholungen, keine unstrukturierten Sätze, alles ist da, wo es sein soll. Ich hingeben schreibe 10 Seiten, aber sie sind der totale Horror und ich habe später extrem viel Spaß dabei alles zu überarbeiten.

Aber nun zum Kern dieses Beitrags: Wie ich schreibe – oder besser, wie ich mich auf das Schreiben eines Romans vorbereite. Nach „Wien“ und „Amulett“ hatte ich also genug gelernt um mich relativ strukturiert an „Teil 3“ (ja, der Titel wird bald bekannt gegeben) zu setzen und ich teilte meine Arbeit in Phasen ein.


Der Plot wird in groben Zügen und Stichpunktartig runtergeschrieben. Das Ergebnis umfasst meinst nicht einmal eine Din A4 Seite, es ist wirklich ziemlich grob, meist sind es nur 10 Punkte oder so. Sobald die Story steht wird sie den Stationen der Heldenreise angeglichen. Bei Teil 3 hat das richtig gut geklappt, weil die Story zufällig zu ca. 80% mit der Heldenreise übereinstimmte.


Nun gilt es die Geschichte zu schreiben und das Schreiben der Geschichte ist, wie oben schon erwähnt, eine sehr aufwendige Arbeit, die mir nicht immer leicht fällt. Daher schreibe ich sie wirklich quick & dirty runter. Scheiß auf Wortwiederholungen, falsch geschriebene Wörter, komischer Satzbau, alles wird geschrieben. Dazu habe ich mir auch ein monatliches Schreibziel gesetzt. Jeden Monat muss ich um die 2.500 Wörter schreiben damit Teil 3 pünktlich fertig wird.
In dieser Phase befinde ich mich jetzt gerade, es sind ca. 1/3 der Geschichte geschrieben und ich halte mich strikt an das monatliche Ziel.


Während Phase 2 ist immer ein Notizbuch zur Hand! Wann immer ich eine Idee habe, kommt sie ins Notizbuch, ich schreibe fast nie etwas im Skript direkt um. Alle Ideen werden ganz old school aufgeschrieben. Manchmal sogar mitten in der Nacht, wenn es sein muss. All diese Ideen werden in Phase 3 in das Qucik & Dirty geschriebene Skript eingefügt. Alles wird ins Reine geschrieben und noch mal mit der Struktur der Heldenreise abgeglichen. Unnützes kommt raus, neue Ideen rein, Fehler werden korrigiert – im Idealfall wird alles fein hübsch gemacht ^^


Nachdem ich in Phase 1-3 brav vor mich hin geschrieben habe, kommt das Ergebnis in Phase 4 zu meinen Beta-Lesern. Die haben alle keine Ahnung, was in Teil 3 passieren wird und gehen daher vollkommen ahnungslos an die Sache ran. Ihnen fällt auf, was ich schon 20x übersehen habe. Ein Satz der gar keinen Sinn ergibt, da zu viel Info-Dump, dort zu wenig Hintergrundinfo usw. Bei „Amulett“ hatte ich drei Beta-Leser, die unabhängig voneinander massenweise Änderungsvorschläge angebracht haben. Manche davon konnte ich nicht nachvollziehen – klar, ich bin die Autorin, ich weiß alles über meine Welt. Darum sind die Beta-Leser so wichtig. Sie zeigen Stellen auf, die für den Leser unverständlich sind. Und nachdem all diese Anmerkungen entsprechend umgeändert wurden geht es ab in Phase 5


Endlich geht alles ins Lektorat und man denkt sich da als Autor „Hey, viel kann nicht mehr schief gehen, die Betas haben ja echt alles gefunden“ … hahaha, man darf nicht so naiv sein! Denn obwohl meine Beta-Leser vom Fach sind (eine Autorin, eine Bibliothekarin und eine absolute Viel-Leserin) ist der Lektor einfach der Profi und der Profi findet IMMER noch etwas.
Das Lektorat hat im Normalfall zwei Durchgänge. 1. Der Lektor liest alles durch und streicht alles an, was komisch ist, nicht passt, unverständlich ist, überarbeitet werden muss, Ausarbeitung benötigt und so weiter. Dann kommt das Skript zum Autor zurück, der versucht dann nicht in Tränen auszubrechen ^^ und überarbeitet alles. Die gröbsten Stellen schaut sich der Lektor noch mal an und achtet auch darauf, dass beim Löschen überflüssiger und hinzufügen neuer Sätze nicht auch noch neue Fehler mit dazugekommen sind.
Ist der Autor fertig geht das Skript ins Finale Korrektorat – oder wie ich es nenne „Finetuning“. Bei mir ist es Beta-Leserin Melli, die im finalen Durchgang noch mal alles auf Rechtschreibung, Grammatik, Sinnfehler usw. durchgeht und dann ist es so weit: Das Skript geht zum Verlag.

Seit ich mir diese 5 Phasen zurechtgelegt habe fällt es mir viel einfacher ein Buch-Projekt strukturiert durchzuarbeiten und ich kann es einfach nur jedem empfehlen. Aber auf der anderen Seite muss auch jeder seine eigene Struktur finden, denn das hier ist nur meine verquere Art ein Skript zu schreiben ^^

Eure Fay

Mittwoch, 3. August 2016

Teil 3 // Schreibziel 22.626

Moin Ihr Lieben,
im letzten Monat habe ich mein Schreibziel gleich zwei Mal übertroffen. Statt 2.500 Worten habe ich 7.500 Worte geschafft. Insgesamt bin ich nun bei 22.626 Worten und somit fast in der Mitte. Ich möchte in jedem Fall wieder um die 50.000 Worte schaffen.
Momentan bin ich in der "Grob alles runterschreiben"-Phase, in der ich die Geschichte einfach nur durchschreibe, ohne besonders auf Wortwiederholungen oder sonstige Fehler zu achten. Alles wird einfach mal Quick & Dirty geschrieben. Denn ganz ehrlich, das schreiben einer Geschichte ist für mich der schwierigste aber gleichzeitig auch kürzeste Part. Ist die Geschichte einmal zu Papier gebracht kommt der lange Part mit Überarbeiten und Verbessern, doofe Stellen rausstreichen, gute Stellen noch besser machen und so weiter. 

Für mich ist es eine recht befreiende Arbeit, einfach schreiben zu können, ohne auf irgendetwas achten zu müssen. Vielleicht komme ich auch deswegen gerade so gut voran. Ich kümmere mich nur um das, was ich gerade schreibe, oder was als nächstes kommt und schaue nicht auf das, was ich schon geschrieben habe. Nein, das kommt alles in der Korrektur-Phase. Da kann ich mich dann wild mit dem auseinandersetzen, was ich im Schreib-Wahn produziert habe. Und erst wenn ich dann mit allem zufrieden bin geht das ganze an meine Beta-Leser und wenn diese zufrieden sind, dann kommt die Lektorin ins Spiel.

Aber dazu später mehr, jetzt wird erst mal weiter geschrieben ^^

Eure Fay

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