Donnerstag, 12. Mai 2016

Warum ich noch immer über Vampire schreibe


VAMPIRE - Oh ja, das böse, böse V-Wort! Man muss es kaum aussprechen schon ergreifen die Leute die Flucht.
Irgendwo auch vollkommen verständlich. Denn aus den einstigen Schauergestalten sind mittlerweile Boyfriends und Sextoys geworden und der Markt ist mit entsprechenden Büchern schlichtweg überflutet.

Gehen wir zurück in das Jahr 2005 als ich begann an meiner New-Steampunk-Age-Reihe zu schreiben. Den ersten "Underworld"-Film gab es gerade auf DVD, ebenso wie "Van Helsing" mit Hugh Jackman. "Tanz der Vampire" das Musical, spielte in Hamburg, der Anime "Vampire Hunter D - Bloodlust" gehörte, ebenso wie "Bram Stoker's Dracula", schon lang zu meinen Lieblingen und die Serie "Trinity Blood" wurde gerade gestartet. Man merkt, seit ich irgendwann Ende der 90er in einem Hotel in der Schweiz den Fernseher angeschaltet und "Interview mit einem Vampir" zum ersten Mal gesehen habe, hat mich das Vampir-Thema nicht mehr losgelassen. Ein gemischter Einfluss aus all den oben stehenden Filmen, Serien und Musicals hat mich schließlich irgendwann dazu getrieben selbst etwas zu schreiben, natürlich über Vampire.

Es ist ja jetzt nicht so, als ob ich nicht vorher schon geschrieben hätte. Zu meinen früheren Ideen gehört zum Beispiel eine sehr umfangreiche High-Fantasy-Welt. Aber die Vampire gaben dem Ganzen erst die richtige Richtung. Ich war eben einfach in ihren Bann geraten, so wie etliche Autoren (inklusive dem guten Herrn Goethe) vor mir. 

In dieser Zeit entstand zunächst die Vorgeschichte zur New-Steampunk-Age-Reihe, an der ich bis heute fleißig weiterschreibe. Und natürlich setzte ich kurz danach auch den Grundstein zur Reihe und plottete die ersten fünf Teile (der Rest folgte ein Jahr später). Beide Geschichten gingen mir leicht von der Hand, an Ideen mangelte es nicht. Ich ließ mich von den oben genannten Werken beeinflussen, las "Dracula", "Camilla" und so gut wie alles von Anne Rice und baute mir eine eigene Welt. Mein eigener kleiner Vampir-Mythos mit Sagen, Urban Legends und Mumpitz, mit Helden und Schurken. Wie es sich eben gehört.

"Vampire Hunter D" von 2005

Und dann kam "Twilight"!
Okay, auch das kam schon 2005 ... lustig, was alles in dem Jahr los war! Aber "Bis(s) zum Morgengrauen" erschien 2006 in Deutschland. Ich erinnere mich überraschend gut daran, wie die Buchhändlerin meines Vertrauens mir den ersten Teil der "Saga" in die Hand drückte und meinte "Es geht um Vampire, das könnte dich interessieren". Ich gebe hier und heute öffentlich zu, dass ich diesen Teil tatsächlich "nicht schlecht" fand. Ich fand ihn nicht superduperhypergeil, aber es war okay, es war einfach anders.

Später erzählte mir meine Buchhändlerin, dass noch viele weitere Vampir-Bücher folgen würden, es sie ein echter Boom in Amerika. Der letzte Boom, den ich mitbekommen hatte, war "Harry Potter" gewesen und das war ein toller Boom, denn der Reihe um den älter werdenden Zauberlehrling folgten viele schöne "MeToo-Produkte" (wie "Tintenherz", "Artemis Foul" usw.). In meinem damals noch jungen und naiven Kopf setzte sich eine Idee fest. Wenn dieser Boom anhält, könnte ich vielleicht meine Vampirgeschichten irgendwo unterbringen. Was für ein Gedanke. Oh, war ich begeistert!

"Underworld" Teil 1 von 2003

Tatsächlich habe ich die Vorgeschichte damals an drei Verlage geschickt. Einer hat sich nie mehr gemeldet, vom Zweiten habe ich 4 Jahre später eine Absage bekommen, der Dritte wollte mich unbedingt haben ... leider war er ein DKZV (den Begriff habe ich jedoch erst einige Jahre später kennengelernt). Da war ich nun: Eine kleine Autorin, mit einer großen Vampir-Welt, mitten im fettesten Vampir-Boom seit Tom Cruise sich eine blonde Perücke aufgesetzt und sich durch die halbe Welt geflirtet hat.

"Twilight" boomte, Filme folgten und die MeToo-Produkte ließen nicht lange auf sich warten. Alte Vampir-Reihen wurden neu aufgelegt, neue Reihen angefangen, alte Filmstoffe neu adaptiert. Vampir-Filme, die sonst keiner haben wollte, wurden plötzlich doch verfilmt. Und ich gründete 2012 den Art Skript Phantastik Verlag (eine kurze Pause um darüber nachzudenken, dass der Vampir-Bomm 2005 mit "Twilight" startete und mindestens bis 2012 anhielt, wenn er nicht noch bis heute zumindest ein bisschen da ist).

Tatsächlich war ich jedoch die Letzte, die auf die Idee kam, ihre eigenen Bücher zu verlegen. Nein, eigentlich inspirierte mich der Erstlingsroman von Michael Zandt dazu selbst einen Verlag zu gründen. Ich habe damals das Cover für sein Debüt gestaltet und Innenseiten-Illustrationen angefertigt. Seine Geschichte hat mich begeistert: Düstere, deutschsprachige Phantastik - Das war's einfach! Kaum ein halbes Jahr später (zum 01.01.2012) war der Verlag gegründet und lustigerweise war es Michael, der mir in einem der Gespräche sagte "Hey, wenn du selbst einen Verlag gründest, dann kannst du auch deine eigenen Geschichten verlegen" - Ernsthaft! Auf die Idee bin ich NICHT gekommen! Seit meinen erfolglosen Versuchen Ende der Nuller-Jahre einen Verlag zu finden hatte ich nicht mehr an eine Veröffentlichung gedacht - jedoch trotzdem fleißig weitergeschrieben, denn die Ideen mussten aus dem Kopf raus, sonst drohte dieser zu platzen.

Um ehrlich zu sein kam ich mir am Anfang etwas ... komisch vor. Meine Geschichten im eigenen Verlag veröffentlichen? Würd man mir das übel nehmen? War das seriös? Das erste was ich als Verlegerin herausfand war, dass das vollkommen normal ist. Viele Verleger schreiben selbst und veröffentlichen beim eigenen oder befreunden Verlagen. Ich war also in bester Gesellschaft.

Gary Oldman und Winona Ryder in "Bram Stoker's Dracula" von 1992

Heute, im Jahr 2016, nur noch wenige Monate bis der zweite Teil meiner Reihe erscheint, fasziniert mich das Thema Vampir nicht weniger als damals 2005. Ich schreibe nicht über Vampire, weil sie IN sind, denn das sind sie mittlerweile nicht mehr. Ich schreibe über sie, weil ich gar nicht anders kann, weil es das ist, was ich schreiben will, was mir Spaß macht und mich antreibt. 

Auch Vampire und Steampunk sind heute keine Seltenheit mehr, aber eher wenige davon spielen in der Zukunft. Ich denke, meine Reihe ist noch immer spannend und wird ihre Leserschaft finden. Denn eines kann man über Vampire wirklich sagen: ob im Film, auf der Bühne oder in der Literatur - Vampire bleiben unsterblich!

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