Dienstag, 30. August 2016

Wie ich schreibe


Heute möchte ich Euch ein bisschen an meiner Schreib-Arbeit teilhaben lassen und erzählen, wie ich schreibe bzw. wie ich mir meine eigenen Schreibphasen erarbeitet habe.

Zunächst zu meiner Vorgeschichte:
Als ich "Wien - Stadt der Vampire" geschrieben habe tat ich dies vollkommen ohne irgendwelches Vorwissen. Ich hatte keine Ahnung von einem genauen Grundgerüst, verfolgte einen vagen roten Faden und habe einfach nur drauf losgeschrieben. Heute ist mir klar, dass ich nie wieder so frei schreiben kann, wie ich es damals getan habe. Aber damals dachte ich, dass ich gerade den nächsten Bestseller fabriziere ^^

Ich habe schon immer geschrieben, in meinem Kopf schwirrte so viel rum, dass einfach raus musste. Fanfictions und gemeinsame Schreibprojekte mit Schulfreundinnen waren ein super Ventil. Aufsätze in der Schule schrieb ich mit einer Schnelligkeit runter, dass ich immer die erste in der Klasse war, die abgeben konnte (Deutsch war aber auch das einzige Fach in dem ich wirklich gut war ^^). Was in meinem Kopf war, musste raus und das ist bis heute so. Ich schreibe noch immer Fanfictions und besitze mittlerweile eine stattliche Sammlung von Notizbüchern voll mit grob skizzierten Plots für Fantasy- und SciFi-Geschichten. Aber die New-Steampunk-Age-Reihe steht an erster Stelle.

Die teils harten Kritiken an "Wien" haben mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Meine Mama hatte also doch keine Bestseller-Autorin herangezogen - verdammt! Es gab Momente in denen ich darüber nachdachte das Schreiben aufzugeben. Aber – und ich denke, dass wird jeder richtige Autor verstehen – man kann nicht einfach aufhören zu schreiben. Das Schreiben ist eine Sucht, ein Drang dem man nachgehen muss. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht einfach aufhören. Wahrscheinlich würde mein Kopf explodieren. Weiterhin wurde mir in den Jahren zwischen „Wien“ und „Amulett“ auch klar, dass mir die Geschichte um Lilith wichtig ist, ich will sie erzählen! Lilith begleitet mich nun schon seit über 10 Jahren, ich möchte ihre Geschichte erzählen.

Also habe ich mir all die Kritiken zu Herzen genommen und das Skript zu „Das Amulett in der Wüste“ – dass damals bereits fertiggestellt war – noch einmal komplett überarbeitet und diese Überarbeitung wiederum hat mich gut drei Jahre beschäftigt. Natürlich sind in der Zeit auch viele andere Dinge passiert und ich habe nicht nur geschrieben. Aber in die Überarbeitung ist viel Zeit und Mühe geflossen.

Und dann kam meine Lektorin!
Schon nach den ersten Kritiken an „Wien“ habe ich bemerkt, dass Lektor nicht gleich Lektor ist. Der falsche Lektor macht ein Skript nicht unbedingt schlechter, aber er macht es auch nicht besser. Ein richtiger Lektor ist hart, aber er holt im Idealfall das Beste aus der Geschichte raus und ich denke, dass hat Marion Lembke bei „Das Amulett in der Wüste“ getan. Für mich ist die steampunkige Zukunftsvision, die ich erschaffen habe, klar. Ich weiß was dort und dort passiert ist, wer wie wo was gemacht hat. Das ist alles in meinem Kopf. Aber das weiß der Leser nicht. Während ich als Autor mich also bemühe nicht zu viel Info-Dump in das Skript einfließen zu lassen, war es Marions Bestreben die richtigen Infos an den richtigen Stellen durchsickern zu lassen. Wenn ich mir die ersten Kritiken und Rezensionen zu „Das Amulett in der Wüste“ durchlese, dann hat das auch ziemlich gut geklappt.

Marion war es auch, die mir „Die Heldenreise“ ans Herz gelegt hat. Das ist ein Schreibmuster, dass, in verschiedenen Formen, auch in Filmen und Theaterstücken Verwendung findet und es hilft mir ungemein! Endlich hab ich Ankerpunkte an denen ich meine Story festmachen kann.
Und bevor ich jetzt dazu komme, wie ich schreibe noch eine kurze Info. Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass es mir einfacher fällt mein eigenes Geschreibsel zu korrigieren und zu erweitern. Das ist für mich einfacher als das Schreiben selbst. Es gibt Autoren, die schreiben eine Seite und sie ist perfekt, keine Wortwiederholungen, keine unstrukturierten Sätze, alles ist da, wo es sein soll. Ich hingeben schreibe 10 Seiten, aber sie sind der totale Horror und ich habe später extrem viel Spaß dabei alles zu überarbeiten.

Aber nun zum Kern dieses Beitrags: Wie ich schreibe – oder besser, wie ich mich auf das Schreiben eines Romans vorbereite. Nach „Wien“ und „Amulett“ hatte ich also genug gelernt um mich relativ strukturiert an „Teil 3“ (ja, der Titel wird bald bekannt gegeben) zu setzen und ich teilte meine Arbeit in Phasen ein.


Der Plot wird in groben Zügen und Stichpunktartig runtergeschrieben. Das Ergebnis umfasst meinst nicht einmal eine Din A4 Seite, es ist wirklich ziemlich grob, meist sind es nur 10 Punkte oder so. Sobald die Story steht wird sie den Stationen der Heldenreise angeglichen. Bei Teil 3 hat das richtig gut geklappt, weil die Story zufällig zu ca. 80% mit der Heldenreise übereinstimmte.


Nun gilt es die Geschichte zu schreiben und das Schreiben der Geschichte ist, wie oben schon erwähnt, eine sehr aufwendige Arbeit, die mir nicht immer leicht fällt. Daher schreibe ich sie wirklich quick & dirty runter. Scheiß auf Wortwiederholungen, falsch geschriebene Wörter, komischer Satzbau, alles wird geschrieben. Dazu habe ich mir auch ein monatliches Schreibziel gesetzt. Jeden Monat muss ich um die 2.500 Wörter schreiben damit Teil 3 pünktlich fertig wird.
In dieser Phase befinde ich mich jetzt gerade, es sind ca. 1/3 der Geschichte geschrieben und ich halte mich strikt an das monatliche Ziel.


Während Phase 2 ist immer ein Notizbuch zur Hand! Wann immer ich eine Idee habe, kommt sie ins Notizbuch, ich schreibe fast nie etwas im Skript direkt um. Alle Ideen werden ganz old school aufgeschrieben. Manchmal sogar mitten in der Nacht, wenn es sein muss. All diese Ideen werden in Phase 3 in das Qucik & Dirty geschriebene Skript eingefügt. Alles wird ins Reine geschrieben und noch mal mit der Struktur der Heldenreise abgeglichen. Unnützes kommt raus, neue Ideen rein, Fehler werden korrigiert – im Idealfall wird alles fein hübsch gemacht ^^


Nachdem ich in Phase 1-3 brav vor mich hin geschrieben habe, kommt das Ergebnis in Phase 4 zu meinen Beta-Lesern. Die haben alle keine Ahnung, was in Teil 3 passieren wird und gehen daher vollkommen ahnungslos an die Sache ran. Ihnen fällt auf, was ich schon 20x übersehen habe. Ein Satz der gar keinen Sinn ergibt, da zu viel Info-Dump, dort zu wenig Hintergrundinfo usw. Bei „Amulett“ hatte ich drei Beta-Leser, die unabhängig voneinander massenweise Änderungsvorschläge angebracht haben. Manche davon konnte ich nicht nachvollziehen – klar, ich bin die Autorin, ich weiß alles über meine Welt. Darum sind die Beta-Leser so wichtig. Sie zeigen Stellen auf, die für den Leser unverständlich sind. Und nachdem all diese Anmerkungen entsprechend umgeändert wurden geht es ab in Phase 5


Endlich geht alles ins Lektorat und man denkt sich da als Autor „Hey, viel kann nicht mehr schief gehen, die Betas haben ja echt alles gefunden“ … hahaha, man darf nicht so naiv sein! Denn obwohl meine Beta-Leser vom Fach sind (eine Autorin, eine Bibliothekarin und eine absolute Viel-Leserin) ist der Lektor einfach der Profi und der Profi findet IMMER noch etwas.
Das Lektorat hat im Normalfall zwei Durchgänge. 1. Der Lektor liest alles durch und streicht alles an, was komisch ist, nicht passt, unverständlich ist, überarbeitet werden muss, Ausarbeitung benötigt und so weiter. Dann kommt das Skript zum Autor zurück, der versucht dann nicht in Tränen auszubrechen ^^ und überarbeitet alles. Die gröbsten Stellen schaut sich der Lektor noch mal an und achtet auch darauf, dass beim Löschen überflüssiger und hinzufügen neuer Sätze nicht auch noch neue Fehler mit dazugekommen sind.
Ist der Autor fertig geht das Skript ins Finale Korrektorat – oder wie ich es nenne „Finetuning“. Bei mir ist es Beta-Leserin Melli, die im finalen Durchgang noch mal alles auf Rechtschreibung, Grammatik, Sinnfehler usw. durchgeht und dann ist es so weit: Das Skript geht zum Verlag.

Seit ich mir diese 5 Phasen zurechtgelegt habe fällt es mir viel einfacher ein Buch-Projekt strukturiert durchzuarbeiten und ich kann es einfach nur jedem empfehlen. Aber auf der anderen Seite muss auch jeder seine eigene Struktur finden, denn das hier ist nur meine verquere Art ein Skript zu schreiben ^^

Eure Fay

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