Montag, 28. August 2017

Jägerin der besonderen Worte


Als Autorin verstehe ich mich immer mehr auch als eine Person, die besonders schöne oder seltene Wörter sucht. Warum? Na, damit sie nicht verloren gehen.

Ein ehemaliger Kollege erzählte mir einmal, dass es in seiner Familie Sitte ist, dem erstgeborenen Jungen einen bestimmten Namen zu geben. So kommt es vor, dass dieser eine Name sehr häufig auf Familienfeiern gerufen wird. Ich fand das im ersten Moment verwirrend, doch dann erklärte er mir, dass dieser Name in seiner Familie eine wichtige Bedeutung hat und darum von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Namen sind ein Aspekt der Sprache, werden sie nicht mehr verwendet, geraten sie Vergessenheit. So passiert es auch Wörtern, die aus unserem Sprachgebrauch verschwinden. Berufe, die es nicht mehr gibt, werden auch nicht mehr genannt und oft weichen alte Begriffe neuen Bezeichnungen.

Seit einiger Zeit sehe ich mich daher als Autorin auch stärker zur Jägerin besonderer Worte berufen, die ich in meinen Büchern niederschreiben und so vor dem Vergessenwerden bewahren will. Ich versuche in jeder Geschichte zwei bis drei dieser Begriffe unterzubringen. Es ist nicht leicht und man darf es nicht erzwingen, aber es macht sehr viel Spaß!

Falls Ihr Euch nun fragt, wo ich meine Worte finde, nun, da gibt es ganz unterschiedliche Quellen. Zum einen natürlich Bücher! Sucht man aber nach älteren Wörtern muss man auch Bücher lesen, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. In Michael Endes Die unendliche Geschichte findet sich zum Beispiel das Wort Kleinod, als Bezeichnung für das Auryn, das Zeichen der kindlichen Kaiserin. Kleinod ist ein altes deutsches Wort für ein Schmuckstück. Sucht man in dem Zusammenhang nach Synonymen findet man Kostbarkeit oder den französisch-anmutenden Begriff Bijouterie.

Synonyme sind ein weiteres Feld, auf dem man eine Fülle an neuen-alten Wörtern finden kann. Früher habe ich dazu das Woxikon verwendet, heute genieße ich die ausladende Auswahl von Papyrus Autor (dem Schreibprogramm, mit dem ich arbeite). Tatsächlich war die Synonyme-Datenbank einer der ausschlaggebenden Gründe, das Programm zu kaufen (neben Figruen-Datenbank und der umfangreicher Stil-Analyse).

Eine weitere Quelle sind Games, die ich ab und an spiele. So habe ich den Begriff Alkoven (Bettniesche) zum ersten Mal beim Tomb Raider IV gehört und später bei Star Trek Voyager wiedergefunden. Das Wort Ossarium (Beinhaus) schnappte ich im Game Dracula 3 – Der Pfad des Drachen auf.

Meine größte Inspirationsquelle sind jedoch Filme und Serien. In der Anime-Reihe One Piece stieß ich auf Archipel (Inselgruppe), ein Wort, dass ich vor kurzem in der zweiten Staffel von Sense8 erneut aufgriff und notierte. Petrichor stammt aus der siebten Staffel von Doctor Who (Die Folge heißt Die Frau des Doktors und wurde von Neil Gaiman geschrieben, der das Wort auch in American Gods untergebracht hat. Es beschreibt den Geruch nasser Erde nach dem Regen). Lichtspielhaus (Kino) und Kandelaber (Kerzenhalter) kamen später ebenso hinzu wie Eildepesche (Schnelles Telegramm) oder Grimoire (Zauberbuch).


Später entdeckte ich auch, dass es in jeder Sprache Wörter gibt, die keine andere Sprache hat und die als unübersetzbar gelten. Für Deutsch wären das beispielsweise Waldeinsamkeit und Weltschmerz (aber auch Warmduscher und Treppenwitz ^^).

Ihr seht, es gibt gleich eine ganze Menge Quellen aus denen jeder schöne Wörter schöpfen kann. Ich habe zumindest immer ein Notizbuch mit auf dem Sofa liegen, damit mir auch ja keines davon durch die Lappen geht.

Eure Fay



P.S.: Niemand hält Euch davon ab, selbst Wörter zu erfinden 😉

Freitag, 4. August 2017

Schreibe ohne Angst, editiere ohne Gnade




Seit einer Weile ist das mein Motto und ich merke, dass es mir sehr leicht fällt damit zu schreiben. Mir hat es einige Ängste genommen und ich möchte Euch erzählen, wie es dazu kam. Daher richtet sich dieser Beitrag natürlich an meine Leser, jedoch auch meine Autorenkollegen, sofern sie Tipps brauchen ^^

Was bedeutet dieser Spruch?

Für alle, die keinen Einblick in die Autorenseele haben, hier ein Einführung.
Schreiben macht Spaß, ist aber auch harte Arbeit. Manchmal sitzt man vor einem leeren Blatt (real oder virtuell) und es will einem nichts einfallen. Oder die Ideen im Kopf möchten einfach nicht über die Finger-Schnittstelle durch Tastatur oder Stift auf das Papier gelangen. Äußere Einflüsse und innere Blockaden tun ihr Übriges dazu. Kein Wunder also, dass Autoren gerne einen Freudentanz aufführen, wenn ihnen ein umfangreicher Absatz, ein prägnantes Wortspiel oder eine außergewöhnliche Beschreibung gelungen ist.
Vier bis fünf Stunden konzertiert schreiben ist ebenso anstrengend wie jede andere Arbeit auch! Ob auf der Baustelle, im Vorzimmer vom Firmenboss oder in der Bäckerei nebenan. Schreiben laugt aus, besonders, wenn man es regelmäßig und/oder mehrere Stunden macht. Die Vorstellung, vom Autor, der genüsslich dem Tag am Rechner verbringt und mit einem Cocktail in der Hand seine Texte runterschreibt, während die Klimaanlage ihn vor der Sommerhitze bewahrt, ist zwar schön, aber meist nicht zutreffend. Ich selbst sitze im Moment an meinem Schreibtisch, schwitze bei milden 29,4 Grad und habe die Balkontür offen, in der Hoffnung, dass ein kleines Lüftchen sich zu mir hineinverirrt. Neben mir eine Flasche mit Wasser, dass vor zwei Stunden noch kalt war. Und überhaupt habe ich das Gefühl, dass ich bei der Hitze nichts schaffe! Beziehungsweise mein Hirn, genauso wie mein Notebook, nur noch mit halber Kapazität arbeitet. Aber ich drifte ab … wo war ich noch mal?

Ach ja! Wir Autoren sitzen also da, in der Hitze vor unseren Rechnern und versuchen die Ideen aus unseren Köpfen zu Papier zu bringen. Wenn wir das dann endlich geschafft haben sind wir glücklich. SEHR GLÜCKLICH! An manchen Sätzen arbeiten wir lange, feilen hier und da herum, versuchen das Beste aus dem Wortschatz herauszuholen. Andere Abschnitte fallen uns leichter. Und hier setzt das Sprichwort an.

Schreiben ohne Angst

Wovor sollte man sich fürchten beim Schreiben? Also, mal abgesehen davon, dass der Rechner bei der Hitze abkackt und wir nicht gespeichert haben! Die Angst davor, etwas Falsches zu schreiben, ist bei vielen Autoren groß. Ein Satz muss perfekt sein! JEDES Wort muss richtig gesetzt und perfekt gewählt werden. Es gibt Autoren, die das können, die in ihrer Schreibphase hervorragende Sätze zaubern. Aber dann gibt es auch … mich! Ich schreibe einfach, manchmal ohne Punkt und Komma! Ohne besonders auf Rechtschreibung, Interpunktion und Sonstiges zu achten. Ich schreibe, wie es meine Gedanken in diesem Moment hergeben. Aber vor allem schreibe ich ohne Angst. Diese Sätze, die ich in der Schreibphase erstelle muss ich ja niemandem zeigen ^^

Editiere ohne Gnade

Für diejenigen, die in der Schreibphase bereits sehr viel Zeit auf gute, stimmige Sätze, Rechtschreibung und Interpunktion gelegt haben, ist die Editierphase eher ein Ausputzen von kleinen Fehlern. Für mich ist sie eine umfangreiche Bearbeitung, meine Arbeit fängt hier erst richtig an. Ich habe jedoch schnell gelernt, Überflüssiges zu löschen. Was scheiße ist – und auch nach mehrmaliger Bearbeitung nicht besser wird – muss raus! Sätze werden umgestellt, Synonyme gesucht, Absätze gelöscht. Programme wie Papyrus Autor helfen natürlich zusätzlich dabei Wortdoppelungen und Kommatafehler zu finden.
Ich persönlich empfinde, dass man als Autor seiner Geschichte verpflichtet ist, die Idee sollte auf bestmögliche Weise umgesetzt sein, überflüssige Füllungen müssen weg. Die Geschichte soll sich in ihrem besten Gewand zeigen. Daher habe ich mir eine Messlatte gesetzt und editiere gnadenlos alles, was darunterfällt.

Fazit

Irgendwann muss jeder Autor für sich entscheiden wie er arbeitet, wie ihm die Arbeit an einem Projekt (sei es ein Roman, eine Novelle, eine Kurzgeschichte oder anderes) am einfachsten fällt. Ich habe bemerkt, dass mir das schreiben schwer fällt, aber das editieren leicht. Also schreibe ich ohne Angst wild drauf los, hacke alle meine Ideen aufs Papier und editiere im Nachgang gnadenlos durch. Und das ist okay! Jeder muss seinen Workflow finden, meine Möglichkeit ist nur eine von vielen. Wichtig ist, dass sich jeder Autor klar macht, es ist okay, Fehler zu machen und auch mal Müll zu schreiben, wenn man ihn später zu Gold editieren kann.

Eure Fay

Dienstag, 14. Februar 2017

Das gehört nicht in die Phantastik!


Gewalt gegen Frauen, Asylpolitik, Flüchtlinge, Diskriminierung von Minderheiten und Andersartigen, Mobbing, das und vieles mehr sind unbeliebte Themen, die in den Zeitungen hochgespielt werden, die wir aber außer in den News nirgendwo lesen möchten. Schon gar nicht in fiktiven Geschichten, denn schließlich wollen wir in andere Welten abtauchen um die Wirklichkeit zu vergessen … oder doch nicht?

Zum Anfang!
Das Lektoren-Team David Rohlmann und Maria Engels bringen seit letztem Jahr die Anthologie-Reihe „Saint Falls“ heraus (Teil 1 – Happy End, Teil 2 – Glass Coffin). Mit „Märchen aus der Welt des Verbrechens“ sind die eBooks untertitelt und schnell wird klar: Hier werden klassische Märchen neu und auf teilweise dürstete Weise interpretiert.
Für „Glass Coffin“ hat Autorin Jenny Wood [Link zur Facebook-Page] die Geschichte „Das Mädchen für tausendundeine Nacht“ beigesteuert. Eine Interpretation der Märchen aus 1001 Nacht, in der Scheherazade als Prostituierte auftritt. Im Laufe der Geschichte wird ihr mehr als nur einmal Gewalt angetan, klar, dass das nicht jeder leicht verdauen kann. Der Bloggerin Susanne von www.derpapierplanet.de stieß dieses Thema wohl übel auf und sie zog dem Buch gleich mehrere Punkte ab (was ja ihr gutes Recht ist, es soll hier nicht um die Beurteilungen von Bloggern gehen!). Gleichzeitig stellte sie aber auch in den Raum, dass „grafische Darstellungen von sexualisierter Gewalt nicht in fiktive Formate gehören“. Lassen wir mal dahingestellt, dass es in den eBooks keine Illustrationen gibt und damit fraglich bleibt, was mit „grafisch“* gemeint ist (vielleicht meinte sie ja „bildlich“?) aber diese konservative Aussage einer jungen Frau Anfang 20 hat mich dann doch sehr irritiert.

Als Frau ist Gewalt gegen Frauen für mich natürlich ein besonders sensibles Thema, aber es totschweigen, so tun als würde das nicht passieren (und wenn dann nur irgendwo weit weg) bringt gar nichts und ist erst recht keine Lösung. Die Phantastik ist ein Genre, mit dem man episch viel machen kann! Man kann die Leser in andere Welten entführen, sie den Alltag vergessen lassen und so weiter! Aber man hat auch die grandiose Möglichkeit auf Missstände hinzuweisen.
 

Besonders die Science Fiction bedient sich dieser Thematiken oft und hält der Welt einen Spiegel vor, um zu zeigen wie hässlich sie ist. Sehr gut zu sehen in den verschiedenen Star Trek Serien, in denen immer wieder Themen wie Intoleranz, blinden Gehorsam, Folter, Rassismus und der schmale Grat zwischen Freiheitskampf und Terrorismus thematisiert wird. Gleichzeitig werden Gott-Figuren und religiöse Führer hinterfragt oder als Scharlatane entpuppt.

Um die Aussage vom Anfang aufzugreifen Gewalt gegen Frauen, Asylpolitik, Flüchtlinge, Diskriminierung von Minderheiten und Andersartigen, Mobbig und vieles mehr, sind Themen die uns alle angehen, die uns vielleicht alle schon mal in irgendeiner Weiße betroffen haben, warum sollten sie also nichts in der Phantastik zu suchen haben? – Ich denke, das Gegenteil ist der Fall, genau da gehören sie heute mehr denn je hin! Die Phantastik ist nicht nur Hausfrauenbefeuchter und Teenie-Traum-Erfüller! Sie ist unendlich vielseitig und kann mehr als ihr im Allgemeinen zugetraut wird.

Versteht mich nicht falsch, ich möchte weder, dass diese Themen unnötig breitgetreten werden, noch dass es ab jetzt keine schöne, leichte Phantastik mehr gibt. Aber ich bin für Vielseitigkeit, dafür, auch unangehme oder polarisierende Themen anzusprechen und dass Autoren die Freiheit haben, diese Thematiken zu behandeln!


Jeder Autor bringt beim Schreiben seine eigene Meinung mit ein, berichtet vielleicht sogar von Erfahrungen oder will auf Missstände hindeuten. Solange diese Themen mit dem nötigen Respekt und angemessener Recherche behandelt werden, sehe ich keinen Grund, weshalb sie nicht öfters in der Phantastik vorkommen sollten.



Das Herausgeber-Duo Rohlmann und Engels hat sich mit ihrer Saint Falls-Reihe in jedem Fall an ein kompliziertes Thema vorgenommen: Verbrechen in all seinen Facetten zeigen! Und dazu gehören alle Verbrechen. Man kann ja schlecht sagen: Mord und Diebstahl ist ein Verbrechen, Gewalt gegen Frauen aber nicht!
 
Wie ist Eure Meinung dazu?
Muss Phantastik immer nur schön sein, oder darf und sollte sie auch die negativen Seiten der Welt widerspiegeln?

Eure Fay


UPDATE: * mir wurde zugespielt, dass das Wort "graphic" im englischen für drastisch, lebhaft, bildhaft steht. 

Montag, 6. Februar 2017

Teil 3 // Schreibziel 41.190


Und nun ging es doch schneller als gedacht - mit 41.190 Worten habe ich die 2. Phase beendet! 
YAY Party!!!

Nachdem ich tatsächlich den den vergangenen September und Oktober, sowie einen Großteil des Dezembers kaum zum Schreiben gekommen bin, habe ich nun wieder einiges aufgeholt. Mit Schwung und Kaffee konnte ich vor wenigen Stunden die Rohfassung beendet. 

Teil 3 nimmt immer mehr Gestalt an. Die Figuren wollten einige Umwege gehen, haben viele neue Wege eingeschlagen und sind am Ende doch an ihrem Ziel angekommen. Nun, da das Skelett steht, wird es Zeit alles zu überarbeiten, auszuformulieren und mit Leben zu füllen. 

Ich liebe die Überarbeitungsphase und bin sehr gespannt, was sich noch alles ergeben wird. In jedem Fall liege ich wirklich gut im Zeitplan und hoffe, dass ich Euch bald schon ein bisschen mehr erzählen kann.

Bis dahin
Fay

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